Erwin Teufel wurde am 4. September 1939 in Spaichingen geboren — derselben kleinen Stadt am Rand der Schwäbischen Alb wie sein späterer Nachfolger Winfried Kretschmann. Von 1991 bis 2005 war er baden-württembergischer Ministerpräsident — über 14 Jahre einer der prägendsten BW-Politiker. Mit seinem schwäbisch-katholischen Wertkonservatismus, seiner pietistisch-frommen Persönlichkeit und seinem unaufgeregten Politikstil führte er das Land durch die Wende-Zeit und die Standort-Diskussionen der 1990er und frühen 2000er-Jahre.
📖 Leben & Wirken
Spaichingen — der bürgermeisterliche Aufstieg
Erwin Teufel wuchs in einer katholischen Handwerkerfamilie auf — der Vater war Schuster. Nach dem Abitur und dem Lehramts-Studium für Hauptschulen unterrichtete er an verschiedenen Schulen. Mit 22 Jahren trat er der CDU bei, mit 27 wurde er Stadtrat in Spaichingen, mit 33 (1972) wurde er Bürgermeister seiner Heimatstadt — eine außergewöhnlich frühe Bürgermeister-Karriere.
Vom Bürgermeister in die Landespolitik
Teufel war 11 Jahre Bürgermeister von Spaichingen — eine prägende Zeit, die ihn als Pragmatiker und Sachpolitiker formte. 1972 wurde er auch in den Landtag gewählt (parallel zum Bürgermeisteramt). Ab 1978 unter Lothar Späth war er CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag, ab 1991 wurde er Innenminister. Nach Späths Rücktritt 1991 übernahm Teufel die Ministerpräsidentschaft.
MP von Baden-Württemberg 1991-2005
Teufel führte BW durch 14 Jahre wirtschaftlich anspruchsvoller Modernisierung: IT-Boom in Stuttgart, Aufstieg von Bosch, Daimler-Chrysler-Hochs und Tiefs, das Aufkommen des Internets. Sein Politikstil war wertkonservativ-pragmatisch: Förderung der Tüftler-Mittelstandskultur, Verteidigung des Föderalismus gegen Brüssel und Berlin, schwäbisch-katholische Familienpolitik. Bei den Wahlen 1996, 2001 gewann er sicher — erst 2006 trat er aus Altersgründen ab (nach 14 Jahren MP).
Nachfolge und Pensionärs-Engagement
2005 übergab Teufel die MP-Würde an Günther Oettinger (später EU-Kommissar). Teufel zog sich aus der aktiven Politik zurück, blieb aber als Berater, Aufsichtsrats-Mitglied und Lobbyist aktiv. 2011 — als Kretschmann erster grüner MP wurde — war Teufel öffentlich kritisch, akzeptierte aber den Wechsel. Heute lebt er in Spaichingen, engagiert sich für katholische Bildungseinrichtungen und die Kommunalpolitik der Region.
🍝 Das schwäbische Erbe
Teufel ist die letzte Verkörperung des wertkonservativen, schwäbisch-katholischen CDU-Typus, der BW von 1953 bis 2011 dominierte. Sein Stil — bedächtig, fromm, sachorientiert, eher zurückhaltend als telegen — prägte eine Generation BW-CDU. Spaichingen pflegt sein Erbe mit der Erwin-Teufel-Straße und der Ehrenbürgerschaft. Bemerkenswert: aus Spaichingen kommen sowohl der wertkonservative Teufel als auch der grüne Kretschmann — beide schwäbisch-katholisch, beide pragmatisch, beide MP. Eine kleine Stadt der MP-Geschichte.
💬 Berühmte Zitate
„Wirtschaft braucht Politik mit Augenmaß — net mehr, net weniger.“
„Subsidiarität ist das demokratische Prinzip: was unten geht, soll unten gemacht werden.“
„Eine gute Regierung redet weniger und entscheidet mehr.“
„Schwoba kennen den Wert der Beständigkeit — auch in der Politik.“
„Glaube und Politik schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich.“
❓ Häufige Fragen
Wann war Erwin Teufel MP von BW?
Vom 22. Januar 1991 bis 21. April 2005 — also 14 Jahre und 3 Monate. Damit einer der am längsten amtierenden MPs der BW-Nachkriegszeit. Vorgänger: Lothar Späth. Nachfolger: Günther Oettinger.
War Teufel CDU?
Ja, lebenslang Mitglied der CDU — sehr aktiv im katholischen Flügel der Partei. Mehrfach im Bundesvorstand. Persönliche Nähe zu Helmut Kohl, später Distanz zu Angela Merkel (besonders nach Atomausstieg 2011).
Wo wurde Teufel geboren?
In Spaichingen (Landkreis Tuttlingen, BW) — dieselbe Stadt, in der auch der spätere grüne MP Winfried Kretschmann geboren wurde (9 Jahre später, 1948). Beide CDU- und Grünen-MPs aus derselben 12.000-Einwohner-Stadt.
Wie war Teufels Verhältnis zu Späth?
Sehr eng. Teufel war unter Späth (1978-1991) zuerst CDU-Fraktionschef im Landtag, dann Innenminister. Nach Späths Rücktritt 1991 wurde Teufel der natürliche Nachfolger. Beide hatten den schwäbisch-katholisch-pragmatischen Stil gemeinsam.
Was macht Teufel heute?
Erwin Teufel lebt seit 2005 in Spaichingen, ist als Berater, Aufsichtsrats-Mitglied und in katholischen Organisationen aktiv. Mit 86 Jahren (Stand 2025) immer noch öffentlich präsent — gelegentlich in Gastkommentaren oder bei katholischen Veranstaltungen.
