Felix Wankel — Erfinder des Wankelmotors aus Lahr

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Felix Wankel wurde am 13. August 1902 in Lahr im Schwarzwald geboren und entwickelte gegen alle Konventionen den Rotationskolbenmotor — den weltweit ersten kommerziell erfolgreichen Alternativ-Motor zum klassischen Hubkolbenmotor. Wankel war ungewöhnlich: Er hatte nie eine Universität besucht, keinen Führerschein, war als Erfinder Autodidakt. Trotzdem schuf er einen Motor, der NSU, Mazda, Norton und viele andere Hersteller weltweit elektrisierte — bis heute werkelt der Wankelmotor in Mazda-Sportwagen und Hochleistungs-Anwendungen.

📖 Leben & Wirken

Lahr — der Autodidakt

Felix Wankel kam in eine streng katholische Försterfamilie. Sein Vater fiel 1914 im 1. Weltkrieg. Die Familie geriet in finanzielle Not — Felix musste seine Schullaufbahn abbrechen und 1921 eine Buchhändler-Lehre antreten. Doch sein Interesse galt der Mechanik. Schon mit 17 Jahren hatte er die Idee einer rotationsbasierten Verbrennungsmaschine. 1924 gründete er in Heidelberg seine erste Werkstatt — als reiner Autodidakt.

NS-Zeit und Patentierung

Wankel war seit den 1920er-Jahren in deutschnationalen Kreisen aktiv, trat 1932 in die NSDAP ein. 1934 wurde er allerdings nach Querelen aus der Partei ausgeschlossen. Während des Krieges arbeitete er an Dichtungs- und Hubkolbenmotor-Anwendungen. Sein wirkliches Hauptpatent — der Rotationskolbenmotor mit Trochoid-Geometrie — wurde 1957 eingereicht und 1959 erteilt. Erstmals lief der erste Prototyp am 7. Februar 1957 in Lindau.

NSU, Mazda — Wankel im Auto

Wankels Erfindung wurde zunächst von NSU (heute Audi) übernommen. 1964 kam der NSU Spider mit Wankelmotor heraus, 1967 der berühmte NSU Ro 80 — ein futuristisches Auto, das aber wegen Wankel-Motor-Problemen (Dichtungs-Verschleiß) finanziellen Misserfolg wurde. Die japanische Firma Toyo Kogyo (Mazda) übernahm die Lizenz und perfektionierte den Motor. Seit 1967 bis heute baut Mazda Wankelmotoren — der Mazda RX-7 und RX-8 wurden Sportwagen-Klassiker.

Späte Anerkennung

In seinen späteren Jahren wurde Wankel zum geehrten Erfinder — Ehrendoktor der TU München, Ehrenbürger Lahr, mehrere Auszeichnungen. Er starb am 9. Oktober 1988 in Heidelberg. Sein Vermögen aus Mazda-Lizenzen vermachte er der Stadt Lahr und mehreren Stiftungen. Der Wankelmotor wird heute vor allem in Range-Extender-Hybriden, Drohnen und Hochleistungs-Sportwagen genutzt — eine Nischen-Erfindung, aber bis heute aktuell.

🍝 Das schwäbische Erbe

Wankel zeigt: nicht alle wichtigen schwäbischen Erfinder sind klassische Schwoba aus dem württembergischen Pietismus. Er war Badener, Autodidakt, NSDAP-belastet — und doch ein technisches Genie auf Welt-Niveau. Lahr ehrt seinen Sohn mit dem Felix-Wankel-Brunnen, dem Wankel-Museum (kleine Schau im Stadtmuseum), der Felix-Wankel-Straße. Der Wankel-Tierschutz-Preis (jährlich vergeben durch die Felix-Wankel-Stiftung) zeigt die andere Seite: Wankel war zeitlebens Tierfreund. Er verkörpert das Schwabentum der Eigensinnigen — wer mit dem System nicht klarkommt, baut sein eigenes.

💬 Berühmte Zitate

„Was ich nicht weiß, lerne ich.“
— Felix Wankel
„Studieren ist gut — selber denken ist besser.“
— Felix Wankel
„Eine Erfindung ist erst dann fertig, wenn niemand mehr meint, sie verbessern zu müssen.“
— Felix Wankel
„Der Motor dreht sich, weil er sich drehen will — nicht weil ein Hub sein muss.“
— Felix Wankel

❓ Häufige Fragen

Wie funktioniert der Wankelmotor?

Anders als ein Hubkolbenmotor (Kolben rauf-runter) hat der Wankelmotor einen dreieckigen Rotor, der sich in einer ovalen Brennkammer (Trochoid) dreht. Vorteil: weniger Vibrationen, kompakter Bau. Nachteil: höherer Verbrauch, Dichtungsverschleiß.

War Wankel wirklich Autodidakt?

Ja — er hat nie ein Universitäts-Studium absolviert. Nur Volksschule + Buchhändler-Lehre. Trotzdem reichte er über 90 Patente ein und entwickelte einen Motor, der eine eigene Motoren-Familie begründete.

Hatte Wankel wirklich keinen Führerschein?

Ja — Wankel war Augenkrank (Schwache Sehkraft seit Kindheit) und wollte deshalb nie einen Führerschein erwerben. Er ließ sich zeitlebens fahren. Eine Anekdote: der Erfinder des Auto-Motors fuhr nie selbst Auto.

Wer baut heute noch Wankelmotoren?

Mazda (seit 1967 ununterbrochen, neueste Variante im Mazda MX-30 R-EV als Range-Extender), AvL Racing (Sportwagen-Tuning), einige Drohnen-Hersteller (kompakte Bauweise), Luftfahrt-Sektor.

War Wankel in der NSDAP?

Ja, 1932-1934 Mitglied. Er wurde 1934 nach internen Differenzen ausgeschlossen — und war später deutschnational, aber nicht mehr aktiv parteipolitisch. Die NS-Mitgliedschaft führte nach 1945 zu zeitweisen Schwierigkeiten.


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Stand: 17. Mai 2026. Teil unserer Reihe „Berühmte Schwaben” mit Person-Schema für Google Knowledge Graph. Quellen: Wikipedia, GND-Eintrag, Standardliteratur.