Lothar Späth — MP Baden-Württemberg & Jenoptik-Retter aus Sigmaringen

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Lothar Späth wurde am 16. November 1937 in Sigmaringen geboren und prägte als baden-württembergischer Ministerpräsident (1978-1991) eine ganze Epoche schwäbischer Politik und Wirtschaftsentwicklung. Mit dem Slogan ‘Land der Tüftler und Denker’ positionierte er BW als Hightech-Standort. Nach politischem Skandal und Rückzug 1991 übernahm er die Sanierung des ostdeutschen Konzerns Jenoptik in Jena — eine der erfolgreichsten Wiedervereinigungs-Sanierungen. Späth verkörpert den schwäbisch-pragmatischen, gestaltungsfreudigen Politik-Unternehmer-Typus.

📖 Leben & Wirken

Sigmaringen, Bietigheim — der pragmatische Aufstieg

Lothar Späth wuchs in einer Arbeiter-Familie in Sigmaringen auf, später Bietigheim. Sein Vater war Werkmeister bei der Eisenbahn. Späth absolvierte zunächst eine Verwaltungs-Lehre — kein klassisches Hochschul-Studium. Diese pragmatische Bodenständigkeit prägte ihn zeitlebens. Mit 15 Jahren trat er der CDU bei, mit 26 wurde er Bürgermeister-Stellvertreter in Bietigheim, 1968 Stadtdirektor in Bietigheim-Bissingen — ein außerordentlich schneller Aufstieg.

Landesregierung und Ministerpräsidentschaft

1972 wurde Späth in den Landtag gewählt, 1978 löste er Hans Filbinger als Ministerpräsidenten ab (Filbinger war über NS-Vergangenheit gestolpert). Mit nur 40 Jahren war Späth jüngster MP eines deutschen Bundeslands. Seine 13 Jahre als MP (1978-1991) waren wirtschaftspolitisch wegweisend: Förderung von Daimler, Bosch, Porsche, IBM-Standort Sindelfingen, Mittelstands-Programme, Wissenschafts-Ausbau (Forschungszentrum Karlsruhe). Beliebter Slogan: 'Land der Tüftler und Denker'.

Sturz und Stuttgart-Affäre

1991 musste Späth nach der 'Traumschiff-Affäre' zurücktreten — er hatte unentgeltliche Reisen von befreundeten Unternehmern angenommen. Ob das wirklich ein politischer Skandal war oder vor allem Anti-CDU-Stimmung in der Wiedervereinigungs-Welle, ist bis heute umstritten. Späth selbst nahm die Verantwortung an, ohne sich groß zu verteidigen — eine schwäbische Eigenschaft.

Jenoptik und der zweite Frühling

1991 berief ihn die Treuhand zum Chef von Carl Zeiss Jena (später Jenoptik) — ein DDR-Konzern am Rand der Pleite mit 30.000 Mitarbeitern, von denen 27.000 entlassen werden mussten. In 12 Jahren machte Späth aus dem Ruinen-Konzern ein erfolgreiches westdeutsch-thüringisches Optik- und Hightech-Unternehmen. Jenoptik überlebte, Jena wurde Wissenschafts-Hauptstadt Ostdeutschlands. Späth gilt heute als einer der erfolgreichsten Sanierer der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Er starb 2016 mit 78 Jahren in Stuttgart.

🍝 Das schwäbische Erbe

Späth prägte das moderne BW wie kaum ein anderer Politiker. Sein Verständnis vom Land als 'Tüftler-Republik' wurde Markenkern: die Hidden Champions, die Forschungsdichte, das Bildungs-Investment. Er pflegte enge persönliche Beziehungen zu den Industriellen (Daimler-Pischetsrieder, Bosch-Merkle, Porsche-Wiedeking), die seine Wirtschaftspolitik trugen. Sigmaringen hat den Lothar-Späth-Park. In Bietigheim erinnert die Lothar-Späth-Schule. Jena ehrt ihn als zentraler Sanierer der ostdeutschen Industrie. Sein Lebensweg vom Verwaltungs-Lehrling zum Welt-Wirtschafts-Manager ist klassisch schwäbisch: ohne große Worte, aber mit beharrlicher Gestaltungskraft.

💬 Berühmte Zitate

„Land der Tüftler und Denker — das passt zu uns Schwoba.“
— Lothar Späth
„Wer keine Visionen hat, soll zum Arzt gehen — aber ohne Vision hat noch nichts funktioniert.“
— Lothar Späth
„Politik ist Wirtschaft mit anderen Mitteln.“
— Lothar Späth
„Was ich kann, ist organisieren — und Menschen für eine Sache begeistern.“
— Lothar Späth
„Schwoba kennen keine Aufgabe — sie kennen nur Lösungen.“
— Lothar Späth

❓ Häufige Fragen

Wann war Späth MP von Baden-Württemberg?

Vom 30. August 1978 bis 22. Januar 1991 — also 12 Jahre und 5 Monate. Damit gilt er als einer der profiliertesten BW-MPs der Nachkriegszeit.

Warum musste Späth zurücktreten?

Wegen der sogenannten Traumschiff-Affäre — er hatte unentgeltliche Reisen befreundeter Industrieller (u.a. mit der MS Astor) angenommen. In der politischen Atmosphäre der Wiedervereinigungszeit war das kein haltbarer Skandal mehr. Späth selbst zog die Konsequenz.

Was war seine größte politische Leistung?

Die Modernisierung Baden-Württembergs zum Hightech-Standort: Forschungs-Förderung, Ausbau der Universitäten, Industrieansiedlungen (IBM Sindelfingen, Bosch-Forschung), das Image 'Land der Tüftler und Denker'.

Was hat Späth nach der Politik gemacht?

1991-2003 Vorstandsvorsitzender von Jenoptik in Jena. Er sanierte den maroden DDR-Konzern Carl Zeiss Jena erfolgreich und schuf einen modernen Optik-Hightech-Konzern. Eine der erfolgreichsten Wiedervereinigungs-Sanierungen.

Wer folgte Späth als MP nach?

Erwin Teufel — sein Innenminister, seit 1991 MP und bis 2005 im Amt. Späth und Teufel waren politisch eng verbunden — beide kommen aus dem hohenzollerisch-schwäbischen Raum.


🔗 Verwandte Persönlichkeiten

Stand: 17. Mai 2026. Teil unserer Reihe „Berühmte Schwaben” mit Person-Schema für Google Knowledge Graph. Quellen: Wikipedia, GND-Eintrag, Standardliteratur.