Sophie und Hans Scholl — Weiße Rose aus Forchtenberg

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Sophie und Hans Scholl wurden in Forchtenberg geboren — Hans am 22. September 1918, Sophie am 9. Mai 1921. Mit ihren Freunden in München (Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf, Professor Kurt Huber) gründeten sie 1942 die studentische Widerstandsgruppe Weiße Rose. Mit selbst gedruckten Flugblättern riefen sie zum Widerstand gegen Hitler auf. Am 18. Februar 1943 wurden die Geschwister in der LMU München beim Verteilen von Flugblättern verhaftet. Am 22. Februar 1943 wurden sie nach einem Schauprozess unter Roland Freisler hingerichtet — gemeinsam mit Christoph Probst. Sophie war 21 Jahre alt.

📖 Leben & Wirken

Forchtenberg und Ulm — die Scholl-Familie

Sophie und Hans wuchsen in Forchtenberg (Hohenlohekreis) auf, wo der Vater Robert Scholl Bürgermeister war. 1932 zog die Familie nach Ulm um. Vater Robert war liberal und kritisch — er ging später wegen kritischer Äußerungen gegen Hitler ins Gefängnis. Die fünf Scholl-Kinder (Inge, Hans, Elisabeth, Sophie, Werner) wuchsen in einer politisch sensibilisierten Familie auf, die Bündische Jugend statt Hitlerjugend bevorzugte.

München-Studium und politische Bewusstwerdung

1939 ging Hans nach München zum Medizinstudium, gleichzeitig wurde er als Sanitäter eingezogen. Sophie folgte 1942 zum Studium der Biologie und Philosophie an der LMU München. Hans, Christoph Probst und Alexander Schmorell waren bereits durch ihre Front-Erfahrungen radikal anti-NS geworden. Sophie schloss sich an. Im Sommer 1942 entstanden die ersten vier Flugblätter der Weißen Rose — anonyme Aufrufe zum Widerstand.

Die Flugblatt-Aktion

Insgesamt verteilten die Scholls und ihre Freunde sechs Flugblätter — geschrieben mit beträchtlicher literarischer Kraft (Zitate aus Goethe, Lao-Tse, der Bibel, Aristoteles). Die Auflagen wurden mit Adler-Schreibmaschine getippt, vervielfältigt mit Stencil-Verfahren, in Briefkästen geworfen, an Hörsälen ausgelegt, in andere Städte verschickt. Die Gestapo war ratlos. Am 18. Februar 1943 verteilten Sophie und Hans das 6. Flugblatt in der LMU München — vom Hausmeister Schmidt beobachtet und der Gestapo gemeldet.

Volksgerichtshof und Hinrichtung

Vier Tage nach der Verhaftung, am 22. Februar 1943, fand der Prozess vor dem Volksgerichtshof unter Roland Freisler statt. Sophie, Hans und Christoph Probst wurden zum Tode verurteilt. Wenige Stunden später wurden sie in München-Stadelheim mit dem Fallbeil hingerichtet. Sophies letzte Worte: 'Solch ein herrlicher, sonniger Tag, und ich soll gehen…' Sie war 21 Jahre alt. Die weiteren Mitglieder der Weißen Rose (Schmorell, Graf, Huber) folgten in den nächsten Monaten.

🍝 Das schwäbische Erbe

Die Scholl-Geschwister sind zentrale Identifikationsfiguren des baden-württembergischen Widerstandsgedenkens. Forchtenberg pflegt das Scholl-Geburtshaus (Stadtmuseum), Ulm das Scholl-Geschwister-Schulhaus und die Weiße-Rose-Stiftung. Zahllose Schulen in BW (und ganz Deutschland) tragen ihre Namen. Die Geschwister-Scholl-Universität (LMU München) erinnert an ihre Verhaftung. Ihre schwäbische Herkunft — protestantisch-pietistisch, bürgerlich-liberal, christlich-ethisch verwurzelt — ist Schlüssel zum Verständnis ihrer Tat. Wo viele schwiegen, sprachen junge Schwoba aus Forchtenberg laut und klar: gegen die Lüge, für die Wahrheit. Bis heute Maßstab für moralischen Mut.

💬 Berühmte Zitate

„Solch ein herrlicher, sonniger Tag, und ich soll gehen. (Sophie Scholl)“
— Sophie und Hans Scholl
„Was haben mit Politik die kleinen oder großen Sünden zu tun? Da ich's nicht erkenne, will ich's leisten … und ich werde Pakete tragen. (Sophie Scholl, 1942)“
— Sophie und Hans Scholl
„Ich habe es lange genug nicht ertragen, dass ich keinen Stein, kein noch so kleinen Stein gehoben habe, um daran etwas zu ändern. (Hans Scholl)“
— Sophie und Hans Scholl
„Lasst die Wahrheit hellklingen, mit Glaube, Liebe und Hoffnung. (Letzte Flugblatt-Botschaft)“
— Sophie und Hans Scholl
„Eine solche Erfahrung muss nicht den Tod bedeuten, sondern eine Aufforderung an die Lebenden, sich zu verändern. (Inge Scholl über die Geschwister)“
— Sophie und Hans Scholl

❓ Häufige Fragen

Was war die Weiße Rose?

Eine studentische Widerstandsgruppe in München (1942-1943) gegen den Nationalsozialismus. Hauptmitglieder: Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf, Professor Kurt Huber. Sechs Flugblätter mit Aufruf zum Widerstand. Alle Hauptmitglieder wurden 1943 von der Gestapo verhaftet und hingerichtet.

Wie alt waren die Scholls bei ihrer Hinrichtung?

Sophie 21 Jahre, Hans 24 Jahre. Christoph Probst, der mit ihnen am 22. Februar 1943 hingerichtet wurde, war 23 Jahre alt und Vater von drei kleinen Kindern.

Warum wurden die Scholls verhaftet?

Hans und Sophie wurden am 18. Februar 1943 vom Hausmeister Jakob Schmidt im Lichthof der LMU München gesehen, als sie das 6. Flugblatt in den Innenhof warfen. Schmidt rief die Gestapo. Die Verhaftung fand sofort statt.

War der Prozess gegen die Scholls fair?

Nein, ein Schauprozess unter dem berüchtigten Volksgerichtshof-Richter Roland Freisler. Dauer: einige Stunden. Verurteilung zum Tode, vollstreckt am selben Tag. Diese Verfahren waren auch nach NS-Recht oft nicht ordnungsgemäß.

Wo kann ich Scholl-Gedenkstätten besuchen?

Scholl-Geburtshaus Forchtenberg (Hauptstraße, Stadtmuseum), Geschwister-Scholl-Straße Ulm (Wohnort 1932-1942), LMU München (Lichthof, Denkmal mit Flugblättern), Gedenkstätte Stadelheim (Hinrichtungsstätte).

Was sagen die Flugblätter aus?

Die sechs Flugblätter der Weißen Rose rufen zum aktiven Widerstand gegen Hitler auf. Mit Zitaten aus Goethe, Lao-Tse, der Bibel, Aristoteles begründen sie moralisch und philosophisch die Notwendigkeit des Widerstands. Sie sind heute Schullektüre in ganz Deutschland.


🔗 Verwandte Persönlichkeiten

Stand: 17. Mai 2026. Teil unserer Reihe „Berühmte Schwaben” mit Person-Schema für Google Knowledge Graph. Quellen: Wikipedia, GND-Eintrag, Standardliteratur.