Margarete Steiff — Erfinderin des Teddybären aus Giengen

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Apollonia Margarete Steiff wurde am 24. Juli 1847 in Giengen an der Brenz geboren — und entwickelte trotz Kinderlähmung (Polio) ab dem 18. Lebensmonat eine der erfolgreichsten Stofftier-Manufakturen der Welt. Ihr 1902 entwickelter Steiff-Bär (Modell 55PB) gilt als das erste Stofftier mit beweglichen Gliedern — und wurde 1903 in Leipzig zum sensationellen Verkaufsschlager. Heute ist Steiff Weltmarktführer für hochwertige Stofftiere, der Knopf im Ohr ist seit 1904 geschützte Marke.

📖 Leben & Wirken

Giengen — die schwere Kindheit

Margarete Steiff war das dritte von vier Kindern eines Maurermeisters. Mit 18 Monaten erkrankte sie an Polio (Kinderlähmung) und blieb zeitlebens auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre rechte Hand war gelähmt, ihre Beine bewegungsunfähig. Trotz dieses Schicksalsschlags lernte sie als 6-Jährige Klavier zu spielen (mit nur einer Hand!) und entwickelte ihre besondere Begabung: das Nähen. Mit 17 Jahren machte sie ihre Schneider-Lehre — als erste behinderte Schneiderin Württembergs.

Filz-Manufaktur und Elefanten-Nadelkissen

1877 eröffnete Margarete in Giengen ihre eigene Filz-Werkstatt — zunächst Damen-Kleidung und Hausgrund. 1880 änderte alles: sie nähte aus Filzresten einen kleinen Stoff-Elefanten als Nadelkissen. Die Nachbarskinder spielten begeistert damit. Margarete erkannte: sie hatte etwas Neues entdeckt — Spielzeug aus Stoff. Sie begann Kleinserien zu produzieren und gründete 1880 offiziell die Felt Toy Factory of Margarete Steiff.

Steiff-Firma und der erste Bär

1893 trat ihr Neffe Richard Steiff (Künstler, Stuttgarter Kunstgewerbeschule) ins Unternehmen ein. Er war der eigentliche Designer der späteren Steiff-Tiere. 1902 schuf er den Bären 55PB — den ersten Stofftier-Bären mit beweglichen Gliedern. Anfangs verlachte das Unternehmen die Idee. Aber bei der Leipziger Spielwarenmesse 1903 bestellte ein amerikanischer Großhändler spontan 3.000 Stück. Der Steiff-Bär war geboren — kurz darauf bekam US-Präsident Theodore Roosevelt 1904 einen Bären zur Hochzeit seiner Tochter; daraus entstand der Name 'Teddy-Bär'.

Goldmedaille St. Louis & Knopf im Ohr

1904 erhielt Steiff auf der Weltausstellung in St. Louis die Goldmedaille — der internationale Durchbruch. Im selben Jahr führte Richard Steiff den berühmten Knopf im Ohr als Markenzeichen ein (Patentschutz). Trotz Margaretes Behinderung führte sie die Firma bis zu ihrem Tod 1909 selbst — als Geschäftsführerin, Designerin und kreative Seele. Heute beschäftigt Steiff über 670 Mitarbeiter, produziert noch in Giengen, mit jährlich rund 5 Millionen Stofftieren. Der Knopf im Ohr ist eines der ältesten geschützten Markenzeichen Europas.

🍝 Das schwäbische Erbe

Margarete Steiff ist Inkarnation des schwäbischen Geistes: trotz schwerer Behinderung, mit pragmatischem Tüftler-Witz und unerbittlicher Beharrlichkeit, baut sie aus Stoffresten ein Welt-Imperium auf. In Giengen befindet sich das Steiff-Museum (eines der meistbesuchten Wirtschaftsmuseen Deutschlands), das Margarete-Steiff-Geburtshaus, der Steiff-Werksverkauf. Die Stadt Giengen ist quasi Steiff-Stadt — Tourismus, Logistik, Kultur, alles dreht sich um die Marke. Die Margarete-Steiff-Stiftung fördert Menschen mit Behinderungen. Ihr Lebensmotto „Für die Kinder ist nur das beste gut genug“ prägt die Firma bis heute.

💬 Berühmte Zitate

„Für die Kinder ist nur das beste gut genug.“
— Margarete Steiff
„Man muss alles probieren, damit man sieht, was geht.“
— Margarete Steiff
„Mit einer Hand kann man auch nähen — sogar mit einer halben.“
— Margarete Steiff
„Wenn alle nein sagen, mache ich es trotzdem.“
— Margarete Steiff

❓ Häufige Fragen

War Margarete Steiff wirklich behindert?

Ja, durch Polio im Säuglingsalter dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre rechte Hand war fast unbrauchbar, sie nähte daher mit links. Trotzdem führte sie ein Welt-Unternehmen — eine außergewöhnliche Geschichte schwäbischer Beharrlichkeit.

Wer hat den Teddybären erfunden — Steiff oder Roosevelt?

Den Stoff-Bären erfanden Richard und Margarete Steiff (Modell 55PB, 1902). Der Name 'Teddy' geht auf US-Präsident Theodore Roosevelt zurück (Karikatur Drawing the line, 1902, in der er ein Bärchen rettete). Beide Geschichten fanden 1903/04 ihren Zusammenfluss.

Was bedeutet der Knopf im Ohr?

Der Knopf im Ohr ist seit 1904 das Steiff-Markenzeichen und ein Echtheitssiegel. Jedes Original-Steiff-Stofftier hat einen kleinen Metallknopf im linken Ohr — entstanden zur Abgrenzung gegen Plagiate. Heute eines der ältesten und wertvollsten Markenzeichen Deutschlands.

Wo kann ich Steiff-Stätten besichtigen?

Steiff-Museum Giengen (Margarete-Steiff-Platz 1), Margarete-Steiff-Geburtshaus, Werksverkauf, Stiftungs-Akademie. Das Steiff-Museum gehört zu den meistbesuchten Industrie-Museen Deutschlands und ist auch für Kinder unbedingt empfehlenswert.

Was kosten Original-Steiff-Tiere?

Aktuelle Standard-Modelle: 60-300 €. Sammlerstücke und limitierte Editionen: 300-3.000 €. Ein Original-Bär aus den 1900er-Jahren (in gutem Zustand) kann 10.000-100.000 € auf Auktionen erzielen. Die teuersten verkauften Steiff-Bären erreichten über 200.000 €.


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Stand: 17. Mai 2026. Teil unserer Reihe „Berühmte Schwaben” mit Person-Schema für Google Knowledge Graph. Quellen: Wikipedia, GND-Eintrag, Standardliteratur.