Wilhelm Schickard — Erfinder der ersten Rechenmaschine aus Herrenberg

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Wilhelm Schickard wurde am 22. April 1592 in Herrenberg geboren und gilt heute als Erfinder der ersten mechanischen Rechenmaschine der Welt. Lange Zeit galt Blaise Pascal (1645) als Erfinder, bis 1957 Schickards Briefe an Johannes Kepler entdeckt wurden, in denen er seine bereits 1623 fertige ‘Rechenuhr’ beschrieb — 22 Jahre vor Pascal. Der Tübinger Universalgelehrte starb 1635 jung an der Pest, seine Maschine ging im 30-Jährigen Krieg verloren. Doch der Brief und ein Nachbau zeigen: hier wurde Computer-Geschichte geschrieben.

📖 Leben & Wirken

Herrenberg, Tübingen — Universalgelehrter im Werden

Wilhelm Schickard wuchs als Sohn eines Schreiners in Herrenberg auf. Schon als 9-Jähriger besuchte er die Klosterschule Bebenhausen, mit 13 ging er ins Tübinger Stift. Sein Talent war außergewöhnlich: er beherrschte mehrere alte Sprachen (Latein, Griechisch, Hebräisch, Aramäisch), studierte Theologie, Mathematik, Astronomie, Orientalistik. 1614 wurde er Diakon in Nürtingen, 1619 Professor für Hebräisch in Tübingen — mit nur 27 Jahren.

Die Rechenmaschine 1623

Im September 1623 fertigte Schickard die wohl erste mechanische Rechenmaschine der Welt — eine Konstruktion mit Zahnrädern und Übertrags-Mechanismus, die Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division beherrschte. Er nannte sie 'Rechenuhr'. Er schickte Pläne und Berichte an Johannes Kepler, der die Maschine wegnehmen wollte — doch sie verbrannte 1624 bei einem Brand. Schickard fertigte eine zweite Maschine, doch auch diese ging im 30-Jährigen Krieg verloren.

Astronomie und Kartographie

Parallel zur Rechenmaschine arbeitete Schickard intensiv astronomisch: er verbesserte den Astronomen-Sternenglobus, baute eigene Sextanten, korrigierte topographische Karten Württembergs (mit Triangulation — neuartig damals). 1631 wurde er Professor für Astronomie als Nachfolger seines Vorgängers in Tübingen. Sein Hauptwerk: die Sterndarstellungen der Astroscopium-Konstruktionen, die in Europa als Modell galten.

Pest-Katastrophe 1634

Im Sommer 1634 brach die Pest in Tübingen aus. Schickard war noch dabei, eine dritte Rechenmaschinen-Version zu bauen, als seine Familie nacheinander erkrankte. Innerhalb von Wochen starben seine Frau, drei seiner vier Kinder. Schickard selbst erkrankte und starb am 23. Oktober 1635, mit nur 43 Jahren. Mit ihm ging eines der größten wissenschaftlichen Talente des 17. Jahrhunderts verloren — eine kleine Universal-Tragödie im Schatten des 30-Jährigen Krieges.

🍝 Das schwäbische Erbe

Schickards Rechenmaschine wurde erst 1957 wieder-entdeckt durch den Tübinger Bibliothekar Franz Hammer (in einem Brief an Kepler). Heute steht ein Nachbau im Deutschen Museum München und im Heimatmuseum Herrenberg. Die Universität Tübingen ehrt ihn mit dem Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik (Informatik-Lehrstuhl). Die Stadt Herrenberg hat das Schickard-Gymnasium und einen Schickard-Park. Schickard verkörpert das schwäbische Universalgelehrten-Ideal: 17 Sprachen, Astronomie, Hebraistik, Mathematik, Kartographie — und nebenbei die erste Rechenmaschine der Welt bauen. Wäre die Pest nicht gewesen, hätte er die Computer-Revolution 350 Jahre vorgezogen.

💬 Berühmte Zitate

„Was die Zahlen schreiben, soll die Maschine berechnen.“
— Wilhelm Schickard
„Sprache ist die mechanische Werkstatt des Geistes.“
— Wilhelm Schickard
„Wer den Himmel verstehen will, muss zuerst die Erde messen.“
— Wilhelm Schickard
„Mathematik ist die Wahrheit, die sich nicht verbiegen lässt.“
— Wilhelm Schickard

❓ Häufige Fragen

Wer hat die erste Rechenmaschine gebaut: Schickard oder Pascal?

Wilhelm Schickard (1623 in Tübingen) — 22 Jahre vor Blaise Pascal (1645 in Paris). Pascal galt lange als Erfinder, weil Schickards Briefe und Maschine verloren waren. Erst 1957 wurde sein Brief an Kepler entdeckt und die Prioritätsfrage zugunsten Schickards geklärt.

Wo kann ich die Schickard-Maschine sehen?

Originale gibt es nicht (1624 verbrannt, weitere im 30-Jährigen Krieg verloren). Nachbauten stehen im Deutschen Museum München, im Heimatmuseum Herrenberg, in der UB Tübingen. Sehenswert: das Wilhelm-Schickard-Institut der Universität Tübingen.

Warum starb Schickard so jung?

Pest-Epidemie 1635 in Tübingen, ausgelöst durch den 30-Jährigen Krieg. Schickard verlor zuerst seine Frau und drei Kinder, dann erkrankte er selbst und starb. Schwäbisches Universalgenie auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft im Alter von 43 Jahren.

War Schickard mit Kepler befreundet?

Sehr gut befreundet — Briefverkehr 1617-1634, persönliche Begegnungen in Tübingen. Kepler war Schickards 21 Jahre älterer Mentor und Bewunderer. Im Brief vom 20.9.1623 beschrieb Schickard Kepler die fertige Rechenmaschine in allen Details — daher wissen wir heute überhaupt davon.

Was hat Schickard außer der Rechenmaschine erfunden?

Eine Heliotrop-Konstruktion (zur Bestimmung der Sonnenhöhe), eine Astrolab-Verbesserung, eine Karten-Triangulationsmethode für Württemberg, ein hebräisches Lehrbuch ('Horologium hebraeum'), eine astronomisch-orientalistische Bibliothek. Schickard war Universalgelehrter im Vollsinn.


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Stand: 17. Mai 2026. Teil unserer Reihe „Berühmte Schwaben” mit Person-Schema für Google Knowledge Graph. Quellen: Wikipedia, GND-Eintrag, Standardliteratur.