Winfried Kretschmann wurde am 17. Mai 1948 in Spaichingen geboren und schrieb am 12. Mai 2011 deutsche Geschichte: Als erster grüner Politiker wurde er Ministerpräsident eines deutschen Bundeslands. Nach drei Wahlsiegen endete seine knapp 15-jährige Amtszeit am 13. Mai 2026; Cem Özdemir folgte ihm als Ministerpräsident Baden-Württembergs nach. Mit seinem wertkonservativ-ökologischen Stil prägte Kretschmann eine ganze Generation grüner Politik in Deutschland — und blieb dabei in seiner Spaichinger Heimat verwurzelt.
📖 Leben & Wirken
Spaichingen, Sigmaringen — die katholische Schwoba-Heimat
Kretschmann wuchs in einem streng katholischen Elternhaus in Spaichingen auf — einer kleinen Stadt am Rande der Schwäbischen Alb. Sein Vater war Holz-Industriearbeiter. Schon als Schüler engagierte er sich in der katholischen Jugend (BDKJ). Nach dem Abitur am Gymnasium Sigmaringen studierte er ab 1970 in Hohenheim Biologie, Chemie und Ethik — eine ungewöhnliche Kombination, die seinen späteren ökologisch-wertkonservativen Politikstil prägte.
Maoist und Lehrer-Jahre
An der Universität durchlebte Kretschmann eine kurze marxistisch-leninistische Phase — er war Mitglied des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland, maoistisch). 1974 trat er aus, ging als Lehrer für Biologie und Ethik an verschiedene Gymnasien in BW (Tübingen, Stuttgart). 1980 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der grünen Partei in BW — die alte 68er-Linke wurde zur grünen Bewegung.
Vom Hinterbänkler zum MP-Kandidat
Kretschmann wurde 1980 in den Landtag gewählt — als einer der ersten grünen Abgeordneten überhaupt. Lange Zeit war er Fraktions-Routine ohne Aussicht auf Macht. Die Fukushima-Katastrophe vom März 2011 änderte alles: bei den Landtagswahlen am 27. März 2011 erlangten die Grünen 24,2 % (vorher 11,7 %), die CDU verlor dramatisch. Eine grün-rote Regierungs-Koalition wurde gebildet, Kretschmann am 12. Mai 2011 als erster grüner MP Deutschlands gewählt.
Drei Wahlsiege und knapp 15 Jahre Regierung
Bei den Landtagswahlen 2016 wurden die Grünen mit 30,3 % stärkste Kraft in BW — Kretschmann führte die Grünen in eine grün-schwarze Koalition (mit der CDU als Junior-Partner). 2021 bestätigte er das Ergebnis (Grüne 32,6 %). Seine Amtszeit endete am 13. Mai 2026. Der Landtag wählte Cem Özdemir zu seinem Nachfolger. Kretschmanns wertkonservativ-ökologischer Stil und sein pragmatischer Kurs zwischen Industriepolitik und ökologischem Umbau prägten das Land fast 15 Jahre.
🍝 Das schwäbische Erbe
Kretschmann ist Beweis, dass tiefste schwäbische Traditionen (katholische Sozialisation, Heimatverbundenheit, Sparsamkeits-Ethos) sich perfekt mit grüner Ökologie-Politik verbinden lassen. Sein Stil — bedächtig, dialektisch, mit gelegentlichem Schwabisch-Klang — hat eine ganze Generation geprägt. Spaichingen ehrt ihn als 'Sohn der Stadt'. Kretschmann lebt mit Frau Gerlinde in Sigmaringen — bewusst nicht in einer Stuttgarter Politiker-Villa. Diese schwäbische Bodenständigkeit prägte sein öffentliches Bild während seiner knapp 15-jährigen Amtszeit.
💬 Berühmte Zitate
„Politik ist die Kunst des Möglichen.“
„Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“
„Ich bin schwäbisch katholisch grün — das ist keine Widersprüchlichkeit, sondern eine Synthese.“
„Wer Wandel will, muss zuerst Vertrauen schaffen.“
„Heimat ist nicht nostalgisch — Heimat ist die Basis für Zukunft.“
❓ Häufige Fragen
Wann wurde Kretschmann MP?
Am 12. Mai 2011 — als erster grüner Ministerpräsident eines deutschen Bundeslands überhaupt. 2016 und 2021 wurde er wiedergewählt; seine Amtszeit endete am 13. Mai 2026.
War Kretschmann wirklich Maoist?
Ja, von ca. 1971-1974 Mitglied des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland), einer maoistischen Splittergruppe. Eine Episode seiner Studentenzeit, die er offen einräumt und als persönliche Reife-Phase einordnet.
Warum ist Kretschmann so erfolgreich in BW?
Drei Gründe: 1) Sein wertkonservativ-ökologischer Stil passt zur schwäbischen Mentalität (Sparsamkeit, Heimatverbundenheit). 2) Er ist persönlich bodenständig und glaubwürdig. 3) Seine Industrie-freundliche Realpolitik bewahrt BW-Wirtschaft und ökologische Transformation gleichzeitig.
Wie arbeitete Kretschmann mit der CDU zusammen?
Von 2016 bis 2026 führte Kretschmann zwei grün-schwarze Koalitionen mit der CDU als Juniorpartner. Sein pragmatischer Umgang mit dem Koalitionspartner wurde sowohl als wertkonservatives Gespür gelobt als auch als zu große CDU-Nähe kritisiert.
Wo wohnt Kretschmann?
In Sigmaringen — und nicht in einer Stuttgarter Repräsentationsvilla. Er pendelt für die Regierungsarbeit. Auch sein Frau Gerlinde bevorzugt die schwäbische Heimat-Verbundenheit.
Wer folgte Kretschmann 2026 als Ministerpräsident nach?
Cem Özdemir. Der Landtag von Baden-Württemberg wählte ihn am 13. Mai 2026 zum Ministerpräsidenten und bestätigte seine grün-schwarze Landesregierung.